Wohnen

Unser Zusammenleben in Wohnungen und Ein- und Mehrfamilienhäusern benötigt Wohnfläche, Wärme und Strom. Während nach dem Zweiten Weltkrieg eine Person durchschnittlich auf 15 m2  wohnte, betrug die Fläche 2018 ganze 46,7 m² pro Kopf. Und nicht nur das, je mehr Quadratmeter von einer Person bewohnt werden, desto mehr Energie für Wärme und Strom wird benötigt. In der Abbildung „Wohnungen und Wohnfläche“ ist der stetige Anstieg der Wohnfläche pro Kopf in den Jahren zwischen 2011 und 2018 aufgeführt. Eine Lösung für einen suffizienten Kulturwandel könnte demnach sein, in kleineren Wohneinheiten zu leben. (Umweltbundesamt 2019)

Umweltbundesamt verweist auf statistisches Bundesamt (2019)

Ein Umzug ist natürlich ziemlich radikal und nicht immer möglich. Was können wir dennoch tun? Es gibt viele Optionen, die wir beim Wohnen berücksichtigen können, um Ressourcen einzusparen. 

Gemeinsam ist es schöner

Große Wohnungen laden zur Bildung von Wohngemeinschaften ein. WGs schützen vor Einsamkeit und schaffen neue Gemeinschaft. Nebenbei helfen sie die angespannten Wohnungsmärkte in Großstädten zu entspannen. Eine Studie von 2019 zeigt, dass in Deutschland bereits rund 4,9 Millionen Personen in einer Wohngemeinschaft leben. (Anja Haider-Wallner und Mona Haider 2020) Gerade bei Studierenden und Auszubildenden ist diese Form des Wohnens sehr beliebt. Aber auch in der Familie können viele Räume gemeinschaftlich genutzt werden – zum Beispiel das gemeinsame Arbeitszimmer der Eltern oder das gemeinschaftliche Kinderzimmer. 

Alltagsroutinen anpassen

Eine Reihe von Maßnahmen helfen dabei, den Alltag suffizienter zu gestalten: Wasser ist kostbar und sollte sparsam eingesetzt werden. Das heißt beim Zähneputzen oder Händewaschen sollte es nicht laufen, sondern der Hahn zugedreht sein. Stand-by-Geräte sind sehr praktisch, jedoch verbrauchen sie viel Strom. Besser ist es daher, das Gerät am Netzschalter auszuschalten.

Viele Menschen mögen es hell und warm zu Hause. Doch das kostet ebenfalls viel Energie. Daher sollte das Licht nur in Räumen angeschaltet sein, in denen man sich gerade aufhält. Als angemessene und gesunde Raumtemperatur gelten 20 Grad. Höhere Temperaturen bedeuten unnötigen Energieverbrauch. Zudem legen medizinische Untersuchungen nahe, dass Krankheiten wie Kopfschmerzen und Atemwegsprobleme durch hohe Raumtemperaturen begünstigt werden. Eine gute Durchlüftung ist dabei ebenfalls wichtig. Sie schützt außerdem vor Schimmelbildung in den Räumlichkeiten. (Umweltbundesamt 2019)

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Weitere Maßnahmen finden sich im alltäglichen Gebrauch von Gegenständen: Braucht es für jedes Familienmitglied einen eigenen Fernseher und Computer oder können nicht stattdessen noch viel mehr Dinge gemeinsam genutzt werden? Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern verringert auch den Ressourcenverbrauch.

Think outside the box

Die grundsätzliche Frage sollte stets sein: Welche Ausstattung brauche ich wirklich, um mich in meinem eigenen Heim wohl zu fühlen? Benötige ich stetig neue Möbel oder erfreue ich mich am vererbten Mobiliar meiner Großeltern, mit denen persönliche Erinnerungen verknüpft sind?

Wenn der Kleiderschrank voll ist, kommt schnell die Frage auf, ob ein größerer Schrank gebraucht wird. Es kann aber auch ein Moment sein, um sich zu fragen: Wie viele der Kleidungsstücke trage ich überhaupt? Brauche ich das alles oder könnte ich nicht einige Teile aussortieren und weitergeben? (Mehr Tipps zum suffizienten Umgang mit Kleidung gibt’s hier)

Dies ist nur ein kleiner Einblick. Weitere Ideen zu suffizientem Wohnen kannst du im nachfolgenden „Check deinen Alltag“-Test sammeln.

Check deinen Alltag

  • Du nutzt Bereiche in deiner Wohnung/ deinem Haus gemeinschaftlich mit anderen Bewohnern, zum Beispiel mit deiner Familie.
  • Es gibt einen oder mehrere Gebrauchsgegenstände in deinem Zimmer, die du gebraucht übernommen hast.
  • Du hast schon einmal etwas aus deinem Zimmer an deine Freunde oder Familie verliehen.
  • Du ziehst dir lieber einen kuscheligen Pullover an, als dein Zimmer voll aufzuheizen.
  • Ein Bad nehmen ist eine Ausnahme, denn in der Regel duschst du dich.
  • Du wäschst deine Hände mit kaltem statt warmen Wasser. 
  • Den Wasserhahn drehst du immer zwischendurch zu, wenn du ihn gerade nicht benötigst, zum Beispiel während du dir die Haare einseifst oder die Zähne putzt.
  • In Räumen, in denen sich gerade niemand aufhält, schaltest du das Licht aus.
  • Du nimmst lieber die Treppe, als mit dem Aufzug zu fahren.
  • Du lüftest deine Kleider, anstatt sie immer sofort zu waschen.

Je mehr Aussagen auf dein Handeln zutreffen, desto suffizienter handelst du im Bereich „Wohnen“.

Literaturhinweise

  1. Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. (2014): Unsere Wohnungen sind schon gebaut: Suffizienz bei der Wohnfläche https://www.nabu.de/downloads/NABU-Impuls-StadtLandFlaeche/NABU_Impuls_122014.pdf (Abruf: 03.09.2020)
  2. Anja Haider-Wallner und Mona Haider (2020): So klappt's mit dem Welt-Retten: Kompakt-Ratgeber https://de.statista.com/statistik/daten/studie/264133/umfrage/personen-in-deutschland-die-in-einer-wohngemeinschaft-wg-leben/ (Abruf: 03.09.2020)
  3. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUNDjugend) (2017): Ein gutes Leben für alle! Eine Einführung in Suffizienz https://www.bund-bawue.de/fileadmin/bawue/Dokumente/Themen/Nachhaltigkeit/Suffizienz_Gutes_Leben_fuer_Alle.pdf (Abruf: 03.09.2020)
  4. Umweltbundesamt (2016): Rebound vermeiden: Energieeffizienzmaßnahmen wirksamer gestalten https://www.umweltbundesamt.de/themen/rebound-vermeiden-energieeffizienzmassnahmen (Abruf: 07.09.2020)
  5. Umweltbundesamt (2016): Ist Wassersparen sinnvoll? https://www.umweltbundesamt.de/themen/ist-wassersparen-sinnvoll (Abruf: 07.09.2020)
  6. Umweltbundesamt (2017): Leihen, tauschen, teilen https://www.umweltbundesamt.de/themen/leihen-tauschen-teilen-0 (Abruf: 07.09.2020)
  7. Umweltbundesamt (2017): Flächenrecycling und Innenentwicklung https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/flaechensparen-boeden-landschaften-erhalten/flaechenrecycling-innenentwicklung#brachen-nutzen-grune-wiesen-schonen (Abruf: 07.09.2020)
  8. Umweltbundesamt (2017): Raum- und Siedlungsentwicklung https://www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/raum-siedlungsentwicklung#nachhaltige-planung-und-entwicklung-der-raum-und-siedlungsstrukturen (Abruf: 08.09.2020)
  9. Umweltbundesamt (2019): Wohnfläche: Zahl der Wohnungen gestiegen https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wohnflaeche#zahl-der-wohnungen-gestiegen (Abruf: 03.09.2020)
  10. Umweltbundesamt (2019): Heizen, Raumtemperatur https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/heizen-bauen/heizen-raumtemperatur#unsere-tipps - Google Suche (Abruf: 04.09.2020)
  11. Umweltbundesamt (2019): Energiebedarf und CO2-Emissionen von Gebäuden senken https://www.umweltbundesamt.de/themen/energiebedarf-co2-emissionen-von-gebaeuden-senken (Abruf: 07.09.2020)
  12. Umweltbundesamt (2020): Haushalte verbrauchen immer mehr Energie – Politik muss handeln https://www.umweltbundesamt.de/themen/haushalte-verbrauchen-immer-mehr-energie-politik (Abruf: 07.09.2020)
  13. Umweltbundesamt (2020): Richtig heizen https://www.umweltbundesamt.de/themen/richtig-heizen (Abruf.07.09.2020)
  14. Umweltbundesamt (2020): "Weniger ist mehr – auch beim Frühjahrsputz" https://www.umweltbundesamt.de/themen/weniger-ist-mehr-auch-beim-fruehjahrsputz (Abruf: 07.09.2020)
  15. Umweltbundesamt (2020): Wie wollen wir leben? Bildungsmaterial zur Stadt der Zukunft https://www.umweltbundesamt.de/themen/wie-wollen-wir-leben-bildungsmaterial-zur-stadt-der (Abruf: 07.09.2020)
  16. Umweltbundesamt (2020): Material- und Energieeffizienz in der Zementindustrie https://www.umweltbundesamt.de/themen/material-energieeffizienz-in-der-zementindustrie (Abruf: 07.09.2020)
  17. Umweltbundesamt (2020): Neue Ausgabe „Energieeffizienz in Zahlen“ veröffentlicht https://www.umweltbundesamt.de/themen/neue-ausgabe-energieeffizienz-in-zahlen (Abruf: 07.09.2020)